

Fahnen repräsentierten auf dem Schlachtfeld und im öffentlichen Raum wichtige Persönlichkeiten, etwa die burgundischen Herzöge.
Im Mittelalter und der frühen Neuzeit waren Fahnen wichtige Symbole der Identität. Bei städtischen Festen verkündeten sie allen Anwesenden, wer da war. Auf dem Schlachtfeld dienten sie der Truppenorganisation: Die Truppe hatte sich unter ihrer jeweiligen Fahne zu versammeln. Dadurch wurden Fahnen zu symbolträchtigen und hoch geschätzten Objekten, die oft aus glitzernder Seide und funkendem Metall hergestellt wurden, wie im Fall der Herzöge von Burgund. Der Glanz dieser im Wind wehenden Flaggen verstärkte die Aura und Strahlkraft des burgundischen Herrschers und seines Gefolges.
Sowohl in der Schlacht als auch in Bildern wie Diebold Schillings «Berner Chronik» machten Fahnen die Geschehnisse verständlich und ermöglichten es sowohl Soldaten als auch Leser:innen, das Geschehen zu verfolgen.
Flaggen symbolisierten nicht nur Identität, sondern auch Triumph und Niederlage.
Flaggen und Banner spielten im späten Mittelalter eine wichtige symbolische Rolle bei der Darstellung von Machtverhältnissen. Sie konnten beispielsweise dazu dienen, festliche Einzüge anzukündigen oder die Harmonie zwischen Bevölkerung und Herrschenden zu demonstrieren, wenn Flaggen nebeneinander gehisst wurden. Umgekehrt symbolisierte die Übergabe von Flaggen nach einem Konflikt Demütigung und Niederlage.
Eine zwiespältige Abbildung im Berner Schilling zeigt, wie die Eidgenossen Fahnen und andere Kostbarkeiten aus dem Holzhaus Karls des Kühnen entwenden, die sie ihrem Verbündeten, dem Herzog von Lothringen, nach dem Sieg geschenkt hatten. Die Grenzen zwischen Demütigung, Sieg und Gier waren nicht immer eindeutig.

Die Eidgenossen hängten im Kampf erbeutete Fahnen in Kirchen auf, wo sie zu quasi-heiligen Gegenständen gemacht wurden.
Wenn die Eidgenossen auf dem Schlachtfeld Fahnen erbeutet hatten, hängten sie diese in ihre Kirchen. Gott hatte ihnen ja den Sieg geschenkt. Aus militärischen Feldzeichen machten die Eidgenossen Siegeszeichen. Jährliche Feierlichkeiten zu bestimmten Schlachten waren Anlässe, bei denen die Gemeinschaft sich mit den Heldentaten der Vorfahren verbinden konnte. Diese hatten einen gemeinsamen Feind besiegt und dessen Fahnen nach Hause gebracht.
Der Basler Kaplan Johannes Knebel berichtet, dass nach der Schlacht bei Murten im Jahr 1476 «die Basler voller Freude zurückkehrten […] durch Gottes Gnade, und sie brachten ihr Banner mit einem Schwalbenschwanz sowie ein weiteres goldenes mit […] sie alle betraten die Basler Kirche und knieten nieder – insbesondere die Fahnenträger und Ritter – auf den Stufen in der Mitte des Chors vor dem Altar und dankten Gott, der Heiligen Jungfrau Maria und den 10.000 Märtyrern für diesen wundersamen und großen Triumph und Sieg, der ihnen vom Himmel gewährt worden war.» Solche Rituale stärkten den Zusammenhalt der Gemeinschaft und vermittelten ein historisches Bewusstsein. In Zürich hing ein Grossteil der erbeuteten Fahnen in der Wasserkirche.
Bei «Schlachtjahrzeiten» wurden in der Kirche Berichte über Schlachtsiege und die Namen von Soldaten verlesen, um die Erinnerungen an vergangene Siege für die versammelte Gemeinde lebendig zu halten: Geschichten wurden propagiert und verklärt. Die von der Decke hängenden Fahnen waren wie Reliquien: blutbespritzte Erinnerungsstücke für hart erkämpfte Siege der Vorfahren.
Die Fahnen waren öffentliche Symbole, die Geschichte greifbar und präsent machten. Wenn Berichte über die Schlacht von der Kanzel verlesen wurden, konnte sich die versammelte Gemeinde die Schlacht lebhaft vorstellen und ihrer gedenken, indem sie zuhörte und die Fahnen betrachtete, die als Siegestrophäen und Relikte dienten. Diese Zeremonien bildeten manchmal die Grundlage für spätere illustrierte Geschichtswerke, sogenannte Chroniken.
Wenn erbeutete Fahnen in Kirchen präsentiert und mit ihnen Geschichten erzählt wurden, liessen sich Erzählungen von Freund und Feind leichter artikulieren: Mehrdeutigkeiten konnten zugunsten klarer Definitionen und Unterscheidungen ausgelöscht werden.
Die Siege bei Murten und Grandson wurden in Liedern verewigt und weitergegeben mit einer einfachen Botschaft, die unterschiedliche Stimmen vereinte.
Neben Gedenkfeiern in Kirchen waren Lieder eine beliebte Form, den Sieg über die Burgunder zu feiern. Veit Webers Lied über die Schlacht bei Murten vermittelt zum Beispiel eine einfache Botschaft, die unterschiedliche Stimmen vereint. Wie die lokalen Fahnen, die Weber beschreibt, konnte das Singen unterschiedliche Orte zusammenbringen, ohne dass diese ihre Autonomie verloren. Fahnen waren für die Eidgenossen ebenso wie polyphone Melodien ein wirkungsvolles Mittel, lokalen Patriotismus zu pflegen und trotz politischer Spaltungen an einen kollektiven Sieg zu erinnern.

Fahnen zerfallen schnell. Um die Erinnerung an die Trophäen zu bewahren, begannen die Eidgenossen, Kopien anzufertigen.
Auf dem Schlachtfeld beschädigt, in Kirchen aufgehängt: Das Leben einer Fahne war kurz. Dennoch waren diese brüchigen Objekte unmittelbare Zeugnisse gewonnener Schlachten und Träger des historischen Gedächtnisses. Die Eidgenossen begannen daher, Kopien anzufertigen. Manche Kopien waren echte Repliken aus Stoff, oft aber wurden Fahnen abgezeichnet und in «Fahnenbüchern» verzeichnet – manchmal in Bewegung dargestellt, manchmal als flach ausgelegte Zeichen. Die mediale Übersetzung in eine Zeichnung ermöglichte so den Erhalt vergänglicher Erinnerungen aus Stoff.
In Zürich wurden die Fahnen im Zeughausinventar abgemalt. Diese Kopien vermitteln dauerhafter als die Originale, wie die nun zerfallenen Fahnen mal ausgesehen haben können. Hier finden wir unter anderen Zeichnungen von dem «Panner» Karls des Kühnen.
In Luzern hingen die erbeuteten Fahnen in der Franziskanerkirche. Im 17. Jahrhundert wurden sie in einem Fahnenbuch abgemalt. Das Fahnenbuch diente als Vorlage für weitere Kopien. Zuerst wurden die Fahnen an den Kirchenwänden gemalt. Später ersetzte man sie durch bemalte gewölbte Holztafeln, die den Eindruck erwecken sollten, dass die Fahnen in der Luft hingen und wehten. Man suchte stets nach Lösungen, um die Erinnerungskultur lebendig zu halten.
Flatternde Ersatzstücke
Eine besondere Art von Kopie ist als Gebrauchskopie bekannt – dabei handelt es sich um Kopien auf Stoff, die die Objekte materiell ersetzen konnten, obwohl sie nicht so aufwendig verziert waren. Im Bernischen Historischen Museum wird eine Fahne, die Anton von Burgund zugeschrieben wird, seit den 1940er Jahren als eine dieser sogenannten Gebrauchskopien gekennzeichnet.
Im Gegensatz zu gezeichneten Reproduktionen von Fahnen konnten sich Gebrauchskopien aus Stoff noch bewegen und wehen. Sie behielten in der Hinsicht wichtige Eigenschaften von «Pannern» und «Venli», die in die Schlacht getragen worden waren.
Welche Erinnerungen sind echt?
Als die erbeuteten Fahnen zerfielen und die unmittelbaren Erinnerungen an die Siege auf dem Schlachtfeld verblassten, wurden die beschädigten Trophäenbanner vervielfältigt. Verschiedene Orte der Eidgenossenschaft liessen Zeichnungen ihrer Beutefahnen in Büchern anlegen, als historisches Verzeichnis ihrer Siege. Manchmal zeichneten sie die Fahnen in Bewegung, andere flach und beinahe zweidimensional. Die mediale Übersetzung in eine Zeichnung ermöglichte so den Erhalt von vergänglichen Erinnerungen aus Stoff. Diese Erinnerungen und damit auch die mediale Übersetzungen waren aber nie ganz genau.
Die Inventare in den Zürcher Zeughausbüchern zeigen, wie Verzerrungen oder Abweichungen von Objekten wie den burgundischen Bannern weitergegeben werden. Die burgundische Fahne, die hier den Fokus bildet, wird zum Beispiel schon im 17. Jahrhundert mit runden Ecken dargestellt, obwohl sie höchstwahrscheinlich viereckig war.
Diese Kopien von Kopien von Kopien – also Kopien über mehrere Generationen – werfen die Frage auf: Welche Erinnerungen sind echt – und wie echt sind sie?
Heute ist die burgundische Fahne mit St. Christophorus im Nationalmuseum zum Beispiel nur als Fragment überliefert – genau wie die andere burgundische Fahnen, die noch in Schweizer Museen aufbewahrt werden. Wie bei dem Banner mit den Wappen Karl des Kühnens, können wir heute nur erraten, wie die einst mal tatsächlich aussahen.
Im Fahnenbuch von Luzern, das selber mehrmals kopiert wurde, finden wir auch zerfetzte Fahnen abgebildet. Als Banner sind sie nicht mehr zu erkennen, aber sie erscheinen trotzdem als Zeichen hart erkämpfter Siege und vollständig besiegter Feinde. Manchmal bieten auch Fragmente kraftvolle Aussagen. Aus dem Fragment können neue Narrative und Überschreibungen entstehen.

Im 16. Jahrhundert verlagerte Zürich seine Fahnen von der Kirche ins Zeughaus, wo sie inventarisiert, ausgestellt und aufbewahrt wurden.
1528 verlegte die Stadt Zürich ihre Fahnen von der Wasserkirche zunächst in speziellen Kisten ins Rathaus und dann ins Zeughaus, wo sie inventarisiert, aufbewahrt und ausgestellt wurden. Zur Ausstellung der Beutefahnen in der Kirche äusserte sich der Reformator Heinrich Bullinger wie folgt: «Es wurde auch als christlich, freundlich und aufrichtig angesehen, die Zeichen sichtbar auszustellen und sie sogar öffentlich hängen zu lassen, wodurch täglich neue Ressentiments geschürt wurden.» Mit dem Umzug ins Zeughaus erhielten die Fahnen einen neuen profanen und militärischen Kontext.
Das Zeughaus zog mehrmals um. Diese Radierung aus dem 19. Jahrhundert zeigt die Ausstellung im Waffensaal im Leuenhof. Die vom Maler Ludwig Vogel, der für seine patriotischen Darstellungen der Schweizer Geschichte bekannt war, entworfene Ausstellung im Leuenhof sollte die Besuchenden inspirieren und begeistern, indem sie die Geschichte lebendig werden liess.
Im 19. Jahrhundert siedelte das Zeughaus nach Aussersihl in ein neues, modernes Kasernenareal über. Die burgundischen Fahnen zogen mit und wurden als Trophäen in pompösen Displays an den Wänden ausgestellt.
In den 1880er Jahren brach ein Wettbewerb zwischen Schweizer Städten darüber aus, welche Stadt ein neues nationales Geschichtsmuseum bauen würde, wobei Zürich den Zuschlag erhielt. Der Architekt Gustav Gull entwarf das Schweizerische Nationalmuseum, das 1898 eröffnet wurde. Die burgundische Fahne zog nun vom Zeughaus ins Museum.
Herzstück und Höhepunkt der Museumsgestaltung war die sogenannte Ruhmeshalle, in der Waffen, Rüstungen und Fahnen ausgestellt waren, die an die glorreichen Erfolge der Schweizer Militärkampagnen – darunter die Burgunderkriege – erinnerten. Auf diese Weise wurde eine verklärte Version der Geschichte präsentiert, die die Konflikte innerhalb der Schweiz verschleierte.
Banner wie die burgundische Fahne bildeten einen zentralen Bestandteil der Ausstellung in der Waffenhalle, die Elemente früherer Ausstellungen im Zeughaus mit einer sakralen Architektur verband – eine Reminiszenz an die Zeit, als die Fahnen noch in der Wasserkirche hingen.

1894 eröffnete in Zürich ein aufregendes Panorama der Murtenschlacht, gemalt von Louis Braun. Fahnen machten das dargestellte Kampfgetümmel lesbar.
Louis Braun war einer der erfolgreichsten Panoramamaler seiner Zeit. 1894 eröffnete in Zürich seine Darstellung der Murtenschlacht. Das Panorama war ein Format, das Betrachter*innen vollständig umgab. Braun recherchierte historische Objekte wie Fahnen, um historische Glaubwürdigkeit zu erzeugen. Fahnen waren wichtige Bildelemente, da sie es den Betrachtenden ermöglichten, die Akteure im Kampfgeschehen zu identifizieren. Braun nutzte daher Fahnenbücher, um seine Schlachtszenen zugleich authentisch und lesbar erscheinen zu lassen, auch wenn viele Aspekte davon von Fantasie durchdrungen waren.
Eine Forschungsgruppe an der EPFL in Lausanne hat einen extrem hochauflösenden Scan von Brauns Panorama erstellt, der es den Betrachtenden ermöglicht, diese stark vermittelte Darstellung der Geschichte neu zu erkunden.

Zu bestimmten Momenten der Geschichte wuchs erneutes Interesse an erbeuteten Fahnen, zum Beispiel im 19. Jahrhundert nach der Gründung der Schweiz 1848, wo sie in Festspiele integriert waren.
Im 19. Jahrhundert waren üppige historische Festspiele beliebt. Städte, ebenso wie die neu gegründete Nation konnten so Erzählungen über ihre Vergangenheit inszenieren. Die Burgunderkriege waren oft Thema dramatischer Aufführungen.
Aufwendige Kostüme sowie Nachbildungen erbeuteter Fahnen wurden von den Teilnehmenden als Mittel zur Darstellung der Vergangenheit mitgeführt.
Da Fahnen in ihrer Symbolik leicht erkennbar waren, ermöglichten sie es einem grossen Publikum, die Akteure des historischen Dramas zu identifizieren. Sie verliehen auch fiktive historische Glaubwürdigkeit.
Auch heute noch ist das Fahnenschwingen ein Skill, der bei Veranstaltungen wie dem 32. Eidgenössischen Jodlerfest, das im Juni 2026 in Basel stattfand, zur Schau gestellt wird. Beim Zusehen der Fahnenschwinger:innen bekommt man ein Gefühl dafür, wie Fahnen als Objekte nicht nur bei ihrer Bewegung lebendig wirkten, sondern auch Training erforderten, um mit Schwung gehandhabt zu werden.
Geistige Landesverteidigung? Schweizerische Abgrenzung im zweiten Weltkrieg
Die 1930er-Jahre brachten den kulturellen Impuls, die Schweiz von Nazideutschland abzugrenzen. Die sogenannte «Geistige Landesverteidigung» versuchte, eine schweizerische Identität zu stärken, die auf gemeinsamen «schweizerischen» Werten beruhte. Einige davon waren verknüpft mit dem Erbe der Siege über «fremde Tyrannen» wie die Burgunder und Karl den Kühnen.
In diesem Zusammenhang wurden Fahnen zu einem Mittel der Identitätsbildung. Sie wurden Teil von Büchern, Postkarten und Texten, welche die vergangenen Siege der Schweiz einem breiten Publikum vermittelten.

In der Nachkriegszeit sahen die Schweizer Geschichtsmuseen vergangene militärische Siege nicht mehr als Priorität an: eher das Gegenteil!
Während in den 1930er Jahren die Schweizer Militärgeschichte und die mittelalterlichen Siege über ausländische Mächte wieder verstärkt national propagiert wurden, wandte man sich in der Nachkriegszeit neuen Geschichten und Erzählungen über die Schweizer Identität zu. In historischen Museen wie dem Landesmuseum in Zürich wurde die seit der Gründung des Museums zu sehende eindrucksvolle Ausstellung von Flaggen, Kanonen und Waffen gestrafft.
Die trophäenartige Präsentation von Militaria wich einem zurückhaltenderen Ausstellungsformat. Neutralität, Frieden und Kunsthandwerk wurden nun betont. Banner, die einst wehten, sind stillgelegt.
Fahnen wurden in der Nachkriegszeit zunehmend vor Licht und Luft geschützt aufbewahrt und nicht mehr den Museumsbesuchenden zur Schau gestellt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die meisten Beutefahnen eingelagert, um sie vor Licht und Luft geschützt besser zu konservieren. Sie standen nicht mehr im Zentrum musealer Erzählungen. Diese empfindlichen Objekte, die jahrhundertelang Teil der öffentlichen Ausstellung und des öffentlichen Bewusstseins gewesen waren, spielten nun keine so prominente Rolle mehr im Schweizer Kulturerbe. So wurden sie zwar besser konserviert, verschwanden aber auch aus dem öffentlichen Leben. Politische Prioritäten veränderten sich. Der Umgang mit fragilen Objekten im Museum hat sich aber auch geändert.
Im 19. Jahrhundert hat man versucht, die Fahnen zu «restaurieren», das heisst, sie in einen möglichst vollständigen, glanzvollen Zustand zurückzubringen. Sie wurden damals noch stolz präsentiert und oft noch aufgehängt, wie damals im Zeughaus und in der Kirche.
Im Laufe des 20. Jahrhunderts veränderten sich die Ansätze des Aufbewahrens stark. Anstatt eine fiktive Ganzheit herzustellen, sollte die Vergangenheit an Objekten prinzipiell sichtbar bleiben. Nun wurde fachlich vom Konservieren und nicht mehr vom Restaurieren gesprochen. Konservierungsmassnahmen sollten reversibel sein. Im Landesmuseum wurde heftig geforscht und debattiert, mit welchen Methoden man bezüglich der Fahnensammlung arbeiten sollte. Sollte man sie waschen, um sie zu glätten? Sollte man sie verkleben? Soll die Vergangenheit noch aktiv wehen? Oder bleiben sie besser geschützt, aber unsichtbar aufbewahrt? Wie soll man mit diesen heiklen Sammlungen heute – und in Zukunft – umgehen?

Geschichten über das Schweizer Militär drehen sich um Männer. Aber wenn wir genauer hinschauen, finden wir auch Frauen – insbesondere als Begleiterinnen von Fahnen.
Der militärische Bereich war ein Umfeld, in dem männliche Identitäten geformt und verbreitet wurden. Dennoch waren auch Frauen in militärische Aktivitäten einbezogen und erscheinen dementsprechend in Wort und Bild. Archivquellen aus Basel berichten sogar von Frauen, die in Murten auf der Seite des Feindes im Einsatz waren. So wurde dargestellt, wie sie männliche Truppen als Fahnenträgerinnen begleiteten. Der Status dieser Frauen ist jedoch kaum bekannt.
Wer waren diese Gestalten, die mit Bannern marschierten?
In Schweizer historischen Museen waren Museumskuratoren meist Männer. Frauen wurden eingestellt, um Textilobjekte – darunter Fahnen – zu pflegen.
Frauen wie Mechthild Flury-Lemberg wurden in der Nachkriegszeit zu führenden Persönlichkeiten bei der Entwicklung des Fachgebiets der Textilkonservierung. Dieses Fachgebiet ist bis heute stark geschlechtsspezifisch geprägt: Die Mehrheit der Textilkonservator*innen sind Frauen. Diese Fachfrauen kümmern sich um die Überreste der Schweizer Fahnenbestände. Die Bewahrung dieses Teils der Schweizer Geschichte liegt somit überwiegend in weiblichen Händen – obwohl Frauen in den Darstellungen der Schweizer Militärgeschichte nur eine marginale Rolle spielen. Auf der kuratorischen Seite war Jenny Schneider die erste «Sammlungs-Konservatorin» (im Gegensatz zur «Restauratorin») am Schweizerischen Landesmuseum ab 1961. Von 1982 bis 1986 übernahm sie die Direktion des Museums.







