Kirchliches Silber, liturgische Gewänder und weltliche Textilien des Bischofs wurden nach Bern überführt.
Die Stadt Lausanne, die Geistlichen der Kathedrale, der Bischof und der Rat von Bern stritten sich um den Kathedralschatz. Verschiedene Listen sollten Entwendungen verhindern und Übersicht über die vorhandenen Werte ermöglichen. Dies gelang aber nur teilweise.
Bern überführte 18 Wagenladungen mit Kirchengut nach Bern, darunter auch die vier Tapisserien mit der Geschichte des römischen Feldherrn Julius Cäsar. Das belegt ein Eintrag in einem zeitgenössischen Inventar.
Die Obrigkeit konfiszierte aus ideologischen Gründen religiöse Objekte.
Die Berner Obrigkeit beschloss im März 1528 die Aufhebung des Klosters Königsfelden und verbot dort das Lesen der Messe.
Der bernische Klostervogt befahl die heimliche Überführung des Kirchenschatzes ins Schloss Lenzburg, das damals Bern unterstand. Dort wurde der Schatz auf einer heute verlorenen Liste erfasst.
Im März 1528 wurde der gesamte Klosterschatz nach Bern abtransportiert.
Im Archivgewölbe des Rathauses wurden Staatsschätze aufbewahrt: Geld, Urkunden, Schuldscheine und, erstaunlicherweise, erbeutete Textilien.
Dicke Mauern und ein Steingewölbe schützten den Staatsschatz der Berner Regierung. Im «oberen» Gewölbe gab es einen grossen Schrank, in dem die «Staatsantiquitäten» aufbewahrt wurden. Es waren vorwiegend in Kriegen und konfessionellen Auseinandersetzungen erbeutete Textilien.
Diese profanen und ehemals sakralen Gegenstände hatten im frühneuzeitlichen Staatswesen Berns keine praktischen Funktionen mehr. Sie fungierten jetzt als kulturelles Kapital – als Wertanlage, als Triumphzeichen vergangener militärischer Grösse und als «Kunst».
Bücher, Steine, Tierpräparate, ethnologische Artefakte, archäologische Funde und Beuteobjekte wurden katalogisiert und ausgestellt.
Ab 1775 gab es einen Neubau für die städtische Bibliothek.
Gemälde und Bücher wurden im vornehmen Obergeschoss aufgestellt. Im Erdgeschoss standen dicht auf dicht die übrigen Sammlungen: Naturhistorische Zeugnisse (Mineralien, Fossilien, Tier- und Pflanzenpräparate), archäologische Funde und «Ethnographica».
Nach wie vor war der Feldaltar Karls des Kühnen ein Hauptwerk, von dem es 1827 hiess, er scheine «byzantinischen Ursprungs zu sein». Er war ausgestellt zwischen arktischer Kleidung aus Kanada, persischen Pantoffeln und archäologischen Waffen.
Fahnen zerfallen schnell. Um die Erinnerung an die Trophäen zu bewahren, begannen die Eidgenossen, Kopien anzufertigen.
Auf dem Schlachtfeld beschädigt, in Kirchen aufgehängt: Das Leben einer Fahne war kurz. Dennoch waren diese brüchigen Objekte unmittelbare Zeugnisse gewonnener Schlachten und Träger des historischen Gedächtnisses. Die Eidgenossen begannen daher, Kopien anzufertigen. Manche Kopien waren echte Repliken aus Stoff, oft aber wurden Fahnen abgezeichnet und in «Fahnenbüchern» verzeichnet – manchmal in Bewegung dargestellt, manchmal als flach ausgelegte Zeichen. Die mediale Übersetzung in eine Zeichnung ermöglichte so den Erhalt vergänglicher Erinnerungen aus Stoff.
In Zürich wurden die Fahnen im Zeughausinventar abgemalt. Diese Kopien vermitteln dauerhafter als die Originale, wie die nun zerfallenen Fahnen mal ausgesehen haben können. Hier finden wir unter anderen Zeichnungen von dem «Panner» Karls des Kühnen.
In Luzern hingen die erbeuteten Fahnen in der Franziskanerkirche. Im 17. Jahrhundert wurden sie in einem Fahnenbuch abgemalt. Das Fahnenbuch diente als Vorlage für weitere Kopien. Zuerst wurden die Fahnen an den Kirchenwänden gemalt. Später ersetzte man sie durch bemalte gewölbte Holztafeln, die den Eindruck erwecken sollten, dass die Fahnen in der Luft hingen und wehten. Man suchte stets nach Lösungen, um die Erinnerungskultur lebendig zu halten.
Die Sorge um eine gute Aufbewahrung der erbeuteten Textilschätze zeugt von ihrer wachsenden Bedeutung als Kulturerbe.
Die Obrigkeit sorgte sich um die Feuchtigkeit und um Ungeziefer in den Archivräumen im Rathaus und suchte nach einem besseren Aufbewahrungsort. Zunächst erwog man, den Haufen «Teppiche, Altarzierrat und Messgewänder» ins Zeughaus zu bringen.
Es seien die Denkmäler des Sieges über den Herzog von Burgund, Reste des vorreformatorischen Münsterschatzes und anderes «Zubehör der päpstlichen Mummereien», der katholischen Maskeraden.
Man entschied sich letztlich aber für die trockene und saubere Sakristei im Münster. Eine neue Inventarliste dokumentiert die 86 überführten Objekte.
Im spätmittelalterlichen Zeughaus von Basel scheinen die Geschütze gar selbst von ihrer Schlagkraft zu reden.
Die Basler führten zwei grosse Bombarden mit dem burgundischen Wappen direkt vom Schlachtfeld nach Basel heim. Sie wurden im Zeughaus am Petersplatz aufbewahrt. Die Waffenkammer war 1438 als Getreidespeicher gebaut worden und diente bis ins 18. Jahrhundert zur Lagerung von Waffen und Getreide. Vom Gebäude des Zeughauses ist fast nichts mehr erhalten.
Vom Zeughaus in Basel haben sich noch Fragmente der spätmittelalterlichen Wandmalereien erhalten. Sie zeigen die alte Anordnung der dort präsentierten Geschütze um 1474, bevor die burgundischen Beutestücke hinzukamen. Rechts vom «Widder» und der «Rennerin» war später eines mit dem Namen «Burgund» aufgestellt worden – das Geschützrohr, welches noch heute im Historischen Museum Basel verwahrt wird.
Ein gereimter Vers rühmte die Vorzüge jeder Waffe, jeweils in der ersten Person formuliert. Die Namen der Geschütze lassen sich sinnbildlich auch in den beigefügten Figuren erkennen. So sieht man die sogenannte Rennerin im fliegenden Galopp mit erhobener Peitsche ihrem Schriftband hinterherjagen. Nach den Burgunderkriegen konnte man an der Wand den neuen Reim lesen: «Burgund bin ich genandt – brich Maur und Want». Neu hinzugekommen war nicht nur «Burgund», das Geschützrohr aus der Werkstatt Jean de Malines, sondern auch der «Strauss» aus Grandson und der «Rauch» aus Murten.
Die «Burgund» von Jean de Malines verliess das Zeughaus 1874 und wurde in die städtische Mittelaltersammlung gebracht. Diese formte bei der Gründung des Historischen Museums 1894 den Kernbestand.